Wenn schon verrückt, dann aber richtig

1. August 2019 - Wie mache ich die Reise? Mit dem Motorrad? Mit dem Zug? Mit einem halbwegs modernen japanischen Geländewagen? Oder aber mit einem alten russischen Buchanka?

UAZ 452 - Buchanka (copyright UAZ Russland - https://www.uaz.ru/)

Mein erster Gedanke war damals, die Reise, für die ich zwei Monate veranschlagt hatte, auf einem alten sowjetischen Motorradgespann KMZ MW750 zu machen. Ein Gespann, das ich mir im Jahr 2013 aus Georgien in die Heimat nach Deutschland mitgenommen hatte. Das hatte Stil, das hat mir gefallen.

Erstmal rechnen

Nachdem ich dann allerdings angefangen habe, das mal konkret auszurechnen, ist mir fast die Kinnlade runtergefallen.


Meine Durchschnittsgeschwindigkeit mit der MW750 auf akzepteblen Landstrassen lag bei 40km/h - inklusive Tank-, Kaffee- und Rauchpausen. Bei einer Fahrzeit von 10 Stunden pro Tag könnte ich also maximal 400km schaffen. Die kürzeste Fahrstrecke von Adenau in der Eifel nach Wladiwostok, von wo es mit dem Schiff weitergeht, beträgt laut Google Maps 11.587km. Das heisst, ich müsste 29 Tage am Stück die Maximalstrecke pro Tag fahren, um überhaupt erstmal in den Osten Russlands zu gelangen - ohne Pause, ohne Fotostop, ohne Wartungstage.

Absolut unrealistisch

Das erschien selbst mir in meiner Verrücktheit als unrealistisch und so fing ich an nach Alternativen zu suchen.

Als unrealistisch verworfen - mein KMZ MW750 Gespann

Als nächste Reisealternative kam mir die gute alte Eisenbahn in den Sinn. Man braucht zwei Tage vom Bahnhof Ahrbrück in der Eifel nach Moskau. Von dort sind es sechs Tage mit der Transsibirischen Eisenbahn bis Wladiwostok.

Acht Tage im Zug

Aber insgesamt acht Tage im Zug sitzen? Mit Sicherheit eine besondere Art von Abenteuer und im Vergleich zum Motorradgespann rasend schnell - aber aus fotografischer Sicht nicht wirklich spannend. Nichtsdestotrotz war diese Reisevariante über mindestens zwei Jahre mein Favorit.


Im Sommer 2018 habe ich mein aktuelles Motorradgespann, eine BMW K1100LT mit einem Jewel Elegance Seitenwagen in einer achttägigen Tour von Adenau nach Kharkiv in der Ukraine überführt. Und daraus entstand dann die Idee, mit dem Gespann nach Wladiwostok zu fahren.

Und wieder rechnen

Die Strecke von 11.587km blieb die gleiche, allerdings bei einer deutlich erhöhten Durchschnittsgeschwindigkeit von 60km/h bei einer erheblich höheren Zuverlässigkeit im Vergleich zur MW750. Das hiesse dann, zwanzig Tage am Stück fahren. Dadurch hätte ich neun Tage gespart, um unterwegs Pausen zu machen und zu fotografieren. Das hörte sich doch schon deutlich besser an. So könnte ich es machen.

Mein BMW Gespann - ein mögliche Alternative

Im Frühjahr 2019 traf mich dann ein herber Schicksalsschlag - ich Dummerchen hörte Musik der mongolischen Rockband The HU und habe mir zu allem Überfluß auch noch die dazugehörigen Videos auf Youtube angesehen. Damit war mir schlagartig klar, die Mongolei muss unbedingt auf meine Reiseliste. Ulan Bator musste eine Zwischenstation auf meiner Reise werden.


Naja, und wenn ich dann schon mal in der Mongolei bin, dann will ich auch die berühmten Adlerjäger im Altaygebirge im Westen des Landes sehen und wenn möglich auch fotografieren. Ganz besonders angetan hat es mir dieses Foto von Erdenebulgan Photography. So etwas möchte ich auch unbedingt fotografieren.

Ein Adlerjäger im Altaygebirge - Foto von Erdenebulgan Photography

Kombination Zug und Motorradgespann?

Mit der Erweiterung der Liste meiner Reiseziele und Fotospots änderten sich auch wieder meine Reisepläne. Zu diesem Zeitpunkt ging ich immer noch von einer Reisedauer von zwei Monaten aus. Eine ernsthafte Überlegung war es, bis Moskau mit dem Motorradgespann zu fahren, dann gut 3.000km mit dem Zug bis Novosibirsk, und von dort wieder mit dem Gespann ins Altaygebirge in der Westmongolei. Danach weiter über Ulan Bator nach Ulan Ude in Russland und von dort mit dem Zug knapp 3.500km weiter nach Wladiwostok. Dadurch würde sich meine Reiseroute auf 12.606km verlängern, knapp 6.500km davon in insgesamt sieben Tagen Zugfahrt.

Zwei Monate sind nicht genug

Langsam aber sicher kam mir die Erkenntnis, dass ich mit der geplanten Reisedauer von zwei Monaten nicht hinkomme. Alleine für die Anreise nach Kamtschatka, inklusive der neuntägigen Schiffsreise von Wladiwostok nach Petropawlow-Kamtschatsky brauche ich ungefähr sechs Wochen, wenn ich Zeit zum Fotografieren in der Mongolei und am Baikalsee einplane. Nach einigem Überlegen habe ich die Reisedauer auf drei Monate veranschlagt. Die Hälfte davon für die Anreise, die andere Hälfte für das Fotografieren in Kamtschatka selber.


Allerdings war ich nicht wirklich glücklich mit dem Motorradgespann zu fahren. Eine tolle Tour, mit Sicherheit - aber ich wollte doch auch unbedingt Nachtaufnahmen in den unendlichen Weiten Russlands machen. Und im Gespann neben dem üblichen Gepäck auch noch Zelt, Schlafsack und Feldbett mitnehmen? Darüber hinaus macht das Gespann aktuell Motorgeräusche, die mich an der Zuverlässigkeit zweifeln lassen.

Ein kleiner 4x4 mit Dachzelt soll es sein

Als Alternative zum Motorradgespann käme ein kleiner 4x4 in Betracht. Ein Zelt auf das Dach - und schon ist das persönliche Schlafzimmer immer dabei und ich kann auch mal in freier Wildbahn übernachten und fotografieren. In meiner Zeit in Georgien hatte ich einen dreitürigen, rechtsgelenkten Mitusbishi Pajero Pinin. Der in fünftüriger Ausführung sollte eigentlich ausreichen. Zwei Wochen suche und finde ich entsprechende Fahrzeuge bei Mobile, kann sie aber nicht kaufen, da ich mich gerade in Kharkiv befinde.


Und dann bin ich es leid. Was wäre denn, wenn ich die Tour mit einem klassischen russischen 4x4 machen würde? Ich war schon immer ein Fan des Russenbusses UAZ 452, auch bekannt als Buchanka. Das gäbe doch eine tolle Kombination. Der Buchanka mit einem Dachzelt, vernünftiger Bereifung, nachgerüsteter Klimaanlage - das ist ein absolutes Muß - und genug Platz, um im Heck eine kleine Sitzgruppe einzurichten.

Der aktuelle Stand

Einen gebrauchten Buchanka kann ich hier in der Ukraine an fast jeder Ecke kaufen, die gibt es hier wie Sand am Meer. Natürlich werde ich Geld investieren müssen, um ihn halbwegs zuverlässig zu machen - aber mehr Stil geht kaum noch. Mal schauen, wann mir das passende Fahrzeug über die Füsse fährt.

Ein nagelneuer UAZ 452 - Buchanka (copyright UAZ Russland - https://www.uaz.ru/)



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