Testfahrt mit neuem Getriebe

9. August 2020 - Sid hat ein neues synchroniertes Getriebe bekommen. Die erste Testfahrt nutze ich, um einen Lost Place in Vovchansk zu suchen und dort zu fotografieren. Die Location haut mich aus den Socken - das ist mit Abstand der interessanteste Lost Place, den ich bislang gesehen habe.

Kurze Pause auf dem Weg nach Vovchansk

Bei meiner letzten Testfahrt mit Sid hatte mich das Getriebe im Stich gelassen. Es blockierte im dritten Gang und liess sich weder rauf- noch runterschalten. Nachdem ich Sid die 50km zurück nach Kharkiv im dritten Gang gefahren bin, habe ich mich entschieden, ein neues Vierganggetriebe einbauen zu lassen. Allerdings nicht das teilsynchronisierte Originalgetriebe sondern das von UAZ erhältliche synchronisierte Vierganggetriebe.

Kontakte zahlen sich aus

Leider hatte in der Zwischenzeit Viktoria, meine Kontaktperson in der UAZ Vertragswerkstatt in Kharkiv, die Firma verlassen. Und das bekam ich sofort zu spüren. Als ich dort wegen des Einbaus des synchronisierten Vierganggetriebes nachfragte, lehnte man mein Anliegen ab. Das Originalgetriebe - ja, das könnten sie einbauen. Das ebenfalls von UAZ gelieferte synchronisierte Vierganggetriebe allerdings nicht.


Kurzentschlossen entscheiden wir uns, Viktoria anzurufen und mal nachzufragen, ob sie wieder in einer Kfz-Werkstatt arbeitet. Und was soll ich sagen - das tut sie. Und nach Rücksprache mit den Monteuren ihres neuen Arbeitgebers haben sie den Job übernommen. Ich muss gestehen, dass ich froh bin, wieder mit Vika - so der Kurzname für Viktoria - zusammen zu arbeiten. Ich habe mich immer auf sie verlassen können und ich gehe davon aus, dass es auch in Zukunft wieder so ist.

Montage des neuen Getriebes innerhalb von zwei Tagen

Nach zwei Tagen war das neue Getriebe eingebaut. Dabei wurden auch direkt die Simmeringe und das defekte Ausrücklager getauscht. Und letzten Mittwoch habe ich Sid aus der Werkstatt abgeholt. Schon auf dem Weg von der Werkstatt nach Hause habe ich den Unterschied festgestellt. Das neue Getriebe lässt ein Runterschalten vom dritten in den zweiten und dann in den ersten Gang problemlos zu. Das alte Getriebe reagierte darauf immer mit heftigem Protestgeschrei. Insgesamt sind die Schaltvorgänge jetzt weicher und deutlich unproblematischer als zuvor. Diese Investition hat sich wirklich gelohnt. Jetzt hoffe ich, dass auch die Standfestigkeit dieses synchronisierten Getriebes mit seiner dickeren Welle besser ist, als die des Originalgetriebes.


Heute habe ich nun die erste längere Testfahrt unternommen. Insgesamt kamen 160 Kilometer zusammen. Einmal nach Vovchansk und zurück. Vovchanks liegt nordöstlich von Kharkiv an der ukrainisch-russischen Grenze. Und dort gibt es einen alten, aufgegebenen Flugplatz, auf dem ich gerne fotografieren möchte. Das Besondere an dem Flugplatz: Dort stehen auch alte, aufgegebene Flugzeuge und Hubschrauber rum.

Selfie mit altem Düsenjäger - eine Trainingsmaschine?

Da ich mich auf Google Maps vorab informiert habe und Vovchanks auch von dienstlichen Besuchen kenne, finde ich den verlassenen Flugplatz auf Anhieb. Er scheint bei der Bevölkerung sehr beliebt zu sein, denn ich bin nicht alleine. Dutzende Menschen - vor allem junge Menschen und junge Familien - scheinen den Flugplatz als Erholungsgebiet zu nutzen. Ich gönne ihnen das ja - aber das macht das Fotografieren für mich deutlich schwieriger, da ich diese erholungssuchenden Menschen natürlich nicht auf meinen Fotos haben möchte.

Mist - abgeschlossen

Leider ist das Zufahrtstor abgeschlossen, so dass ich Sid davor parken muss. Das ist besch...eiden, da ich ja eigentlich Fotos mit Sid und den Flugzeugen machen wollte. Ich sehe zwar, dass es einen Fahrweg auf das Gelände gibt, den Sid mit Leichtigkeit bewältigen könnte. Allerdings kann ich mir aus beruflichen Gründen solche illegalen Aktionen nicht erlauben und folge den anderen Besuchern zu Fuß auf's Gelände. Wenn ich jetzt schon mal hier bin, dann will ich mir auch ansehen, was mich erwartet.


Ich schleppe meinen Fotorucksack mit der Canon EOS 6D und die Tasche mit der Drohne über einen asphaltierten Weg einen halben Kilometer zum ersten verlassenen Flugzeug. Und ich bin hin und weg. Was hier an alten Flugzeugen rumsteht, habe ich so noch nie gesehen.

High Tech und Natur

Ich bin absolut kein Fachmann, was alte sowjetische Flugzeuge angeht. Aber auch ohne die Bezeichnungen der Maschinen zu kennen, sind sie einfach nur faszinierend. Da steht eine ganze Reihe Düsenjäger rum. Ich vermute, es sind Trainingsmaschinen - irgendwie wirken sie so auf mich. Und alles mitten auf einem Feld, auf dem Millionen gelber Widlblumen blühen. Und wie um dem Kriegsgerät den Schrecken zu nehmen, ist es mit Büschen und Sträuchern überwuchert. Das sieht fast schon surreal aus.

Überwucherter Doppeldecker mitten auf der Wildblumenwiese

In einer Halle mit teilweise geschlossenen, riesigen Schiebetoren steht noch ein Düsenjäger und lädt zur genaueren Betrachtung ein. Das sieht fast schon arrangiert aus und gäbe eine tolle Kulisse für Portraitfotos ab.

Ein einsamer Düsenjäger in einer Flugzeughalle
Eine tolle Fotokulisse

Ausserhalb der Flugzeughalle steht ein großer Doppeldecker. Er ist scheint sehr beliebt zu sein, viele Besucher machen Fotos, klettern in die Maschine, stellen sich auf die Nase und lassen sich so fotografieren. Ich brauche einiges an Geduld, bis mal alle Menschen weg sind und ich mit der Drohne einige Fotos machen kann. Angeblich soll es sich bei der Maschine um eine Antonov AN-2 handeln - ich weiß es allerdings nicht mit Sicherheit.

Antonov AN-2? Ich habe keine Ahnung.

Und neben der vermeintlichen AN-2 steht ein ganzes Geschwader alter, ausgeschlachteter Hubschrauber mitten in einem kleinen Wäldchen. Jugendliche spielen hier mit den alten Fluggeräten - und ich muss sagen, im Alter von 10 bis 14 oder 15 Jahren wäre das auch für mich ein beliebter Spielplatz gewesen.

Nur zwei der mindestens acht Hubschrauber, die hier rumstehen

Nachdem ich meine geplanten Fotos im Kasten habe, mache ich mich auf den Rückweg zu Sid. Ich habe Durst, da ich die Wasserflasche im Wagen vergessen habe. Meine Gedanken kreisen darum wie ich Sid legal auf dieses Gelände bekomme, um ihn zusammen mit diesen historischen Fluggeräten zu fotografieren. Ich bin sicher, es gibt eine Möglichkeit - ich muss sie nur noch identifizieren.


Und das Fazit meiner heutigen Tour: Der Einbau des synchronisierten Vierganggetriebes hat Sid gut getan. So fährt er sich deutlich angenehmer. Einziges Manko - der Tacho spinnt nun, er zeigt viel zu hohe Geschwindigkeiten an, bis zu 100 km/h - und das ist eine Geschwindigkeit, die Sid definitiv nur im freien Fall erreichen kann. Ich denke, da muss ein Sensor an das neue Getriebe angepasst werden.

Ich komme wieder - versprochen!

Und das zweite Fazit: Ich komme zurück zu diesem Flugplatz. Und dann mit der Erlaubnis, Sid auf das Gelände mitzunehmen. Mir wird schon eine Lösung einfallen.


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