Sandkastenspiele

15. August 2020 - Eine weitere Testfahrt mit Sid führt mich zurück in die Kitsivka Wüste. Hier war im März Sids Kupplungsgestänge gebrochen, so dass ich damals die 65 Kilometer zurück nach Kharkiv ohne Kupplung fahren musste.

Die Zufahrt zur Wüste - auf diesen Wegen fühlt sich Sid wohl

Mein letzter Besuch dieser wüstenähnlichen Gegend mit seinem hellen Sand und dem steppenartigen Bewuchs verlief nicht wirklich toll. Das Kupplungsgestänge brach in einer Sandpassage und ich musste mich mit Sid ohne Kupplung zurück nach Kharkiv quälen. Dieses Mal wollte ich es besser machen.

Landstrasse bis zur Wüste

Die Anfahrt zur Wüste ist unspektatkulär. Aus Kharkiv Richtung Südosten auf der "Autobahn" M03 - die Hauptverbindung von Kiew zur Ostukraine - bis Chuhuiv und dann nach Nordosten Richtung Pechenihy abbiegen. Und hinter dem Dorf Kitsivka rechts ab Richtung Süden und über einen der Feldwege direkt in die Wüste.


In Chuhuiv tanke ich auf und kaufe mir an der Tankstelle neben einer großen Flasche Mineralwasser auch ein Paar Arbeitshandschuhe. Beim Zuschalten des Vorderradantriebs möchte ich mich nicht einsauen und ohne Handschuhe ist das unmöglich.

Der steppenähnliche Teil der Wüste

Wie schon bei meinem ersten Besuch im März bin ich auch jetzt nicht alleine in der Wüste. Ich sehe Autos und Motorräder, deren Fahrer mal, mehr mal weniger gekonnt über die sandigen Pisten oder auch querfeldein durch den Sand pflügen. Daneben sehe ich Pärchen und Familien mit Kindern, die im Schatten der Bäume und Büsche picknicken - die Wüste lebt.

Erst mal ein paar Drohnenfotos

Nach meiner Ankunft suche ich mir ein ruhiges Plätzchen und packe die Drohne aus. Ich möchte einige Picknick Fotos machen und auch mal ein bißchen mit der Videofunktion der Mavic 2 Pro spielen.

Das Wetter meint es gut mit mir

In den letzten Wochen war es in Kharkiv extrem heiß. Temperaturen über 30° waren an der Tagesordnung. Aber ich habe Glück. In den letzten Tagen hat es sich abgekühlt und bei angenehmen 24° packe ich Campingstuhl und -tisch aus, bevor ich die Drohne starte. Der Himmel zeigt sich strahlendblau mit weißen Wolken - das macht sich gut auf Fotos.

Der Wald begrenzt die Wüste - dahinter liegen riesige Felder

Nachdem ich genug mit der Drohne gespielt habe, möchte ich mit Sid im Sandkasten spielen. Bislang habe ich den Vorderradantrieb noch nicht zugeschaltet und fahre nur mit dem regulären Hinterradantrieb. Das klappt relativ gut, auch wenn die sandigen Pisten Sid stellenweise recht tief einsinken lassen. Mit etwas Schwung komme ich aber gut über solche Stellen hinweg.

Eingegraben

Und dann passiert es doch. Auf einer der tiefsandigen Pisten muss ich langsamer werden, da ich erst entscheiden muss, wie ich nach der Tiefsandpassage weiterfahren will - und plötzlich graben sich die Hinterräder ein. Ich versuche noch vorsichtig sowohl vorwärts wie auch rückwärts wieder frei zu kommen, breche diese Versuche aber erfolglos ab, bevor sich Sids Hinterräder mit den Winterreifen noch tiefer in den lockeren Sand eingraben.

Steckengeblieben im Tiefsand

Also raus aus dem Auto, Handschuhe an, die Schutzkappen der Radnaben abschrauben und mit dem hochprofessionellen Vierkantschlüssel die vorderen Steckachsen mit dem Verteilergetriebe verbinden. Das dauert insgesamt etwa drei Minuten. Danach die Radnaben wieder abdecken, damit sich dort kein Sand ablagert.

Vorderradantrieb zuschalten

Als ich wieder in Sid sitze, schalte ich den Vorderradantrieb über den kleineren (oberen) der beiden Verteilergetriebehebel zu. Da mir die Strecke vor mir aufgrund eines unagenehm aussehenden Böschungswinkels nicht zusagt, lege ich den Rückwärtsgang ein und Sid gräbt sich ohne Probleme aus dem Sand und ich bin wieder frei.

Sieht gar nicht wild aus - reicht aber schon, um nicht mehr weiterfahren zu können

Anschliessend spiele ich noch eine halbe Stunde mit Sid. Der Vierradantrieb meistert alle Schwierigkeiten vordbildlich, auch wenn der Sand mal etwas tiefer wird. Bevor ich mich auf den Rückweg mache, halte ich am Waldrand an. Hier hat eine clevere ukrainische Dame einen kleinen Stand aufgebaut und verkauft heissen Tee, selbstgemachte Marmelade, Obst und Gemüse sowie getrockneten Fisch. Ich genehmige mir einen Tee und nehme mir jeweils fünf Äpfel und Tomaten mit und zahle für alles zusammen 30 UAH (ukrainische Griwna - etwa 1 Euro).


Bevor ich zurück auf die Landstrasse fahre, schalte ich den Vorderradantrieb wieder ab und schraube die Steckachsen zurück. Die Rückfahrt nach Kharkiv verläuft unproblematisch. Bei 65 bis 70 km/h auf den teilweise recht schlechten Straßen fühlt sich Sid sichtlich wohl. Es ginge wohl auch noch etwas schneller - aber warum? Sid ist zum Reisen und nicht zum Rasen gedacht.

Ein Wort zumVerbrauch

Ich bin mit Sid inzwischen gut 800 KIlometer gefahren, davon etwa 300 an den letzten beiden Wochenenden. Und zum ersten Mal hatte ich nun die Gelegenheit, Sids Verbrauch unter regulären Bedingungen zu ermitteln. Der liegt bei knapp 14 Liter pro 100 Kilometer. Damit kann ich gut leben - normalerweise heisst es, die alten Buchankas brauchen mindestens 15-20 Liter auf 100 Kilometer. 


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