Roadtrip Adenau (D) nach Kharkiv (UA) - Tag 7

13. Juli 2018 - Von Zhytomyr über Kiew nach Lubny

Kilometerstand 4159

Und hier ist sie - die versprochene Statistik - da führt kein Weg dran vorbei. Mit den 10km, die ich gestern in Zhytomyr gefahren bin, waren es 230km seitdem ich Rivne verlassen habe. Meine bislang kürzeste und langweiligste Etappe.

Hölle - es wird heiss

Um 8.30 Uhr rolle ich in Zhytomyr aus dem abgeschlossenen Hof des Hotel. 10 Minuten zum Anziehen der Stiefel, Einrichten des GPS, Verstauen meines Gepäcks, letzte Zigarette - danach bin ich nassgeschwitzt, obwohl ich die Jacke noch gar nicht an habe und im Schatten stehe. Das kann ja heiter werden heute.


Wie ich befürchtet habe, ist die M06 von Zhytomyr bis Kiew komplett zweispurig ausgebaut. Das heisst langweiliges Fahren, gutes Vorankommen und Pausen, wann immer mir der Sinn danach steht. Ich habe gut 300km vor der Brust, der unangenehmste Teil davon wird mit Sicherheit die Umfahrung der 3,5 Millionen Einwohnerstadt Kiew.


Bei der Hitze sind die Pausen allerdings auch dringend notwendig, da ich gar nicht so viel Wasser trinken kann, wie ich trotz der leichten Endurojacke ausschwitze. Irgendwie sehen meine Pausen immer gleich aus: Zigaretten, Kaffee (in den verschiedensten Variationen - hier mal als Espresso) und Wasser (am liebsten Morschinska).

Wasser - mehr Wasser!
Preise in der Ukraine

Das ist vielleicht eine gute Gelegenheit, mal etwas zu den Preisen in der Ukraine zu sagen:


- Eine Schachtel Camel Filter (20 Zigaretten) kostet an Tankstellen an der M 06 geschlagene 35 UAH (Ukrainische Griwna), das sind umgerechnet 1,16 Euro. Im Supermarkt kosten sie 0,90 - 1,00 Euro. (Nachtrag Juli 2019: Die Preise für Zigaretten sind deutlich gestiegen. Camel Filter kostet jetzt 43,50 UAH)


- Ein Kaffee, je nach Größe zwischen 20 und 30 UAH (etwa 0,66 bis 1,00 Euro). Milch im Filterkaffee (Kaffee Amerikano Smolakom - amerikanischer Kaffe mit Milch) kostet bis 10 UAH (0,33 Euro) extra.


- Ein halber Liter Mineralwasser kostet an der Autobahn etwa 15 UAH (0,50 Euro). Im Supermarkt oder auch am Kiosk in der Stadt bekommt man dafür 1,5 Liter.


- Übernachtung im Hotel: Ich habe in Rivne in einem Standardzimmer in einem First Class Hotel (Hotel Ukraina) im Stadtzentrum über Booking.com 1000 UAH (etwa 33 Euro) inklusive Frühstück bezahlt.


- In Zhytomyr habe ich in einem "normalen" Hotel in Stadtlage (Hotel Alir - knapp außerhalb des Zentrums) pro Nacht mit Frühstück die Hälfte bezahlt. Der Komfort und die Ausstattung waren bei weitem nicht so gut, wie in dem Hotel in Rivne. Aber das Hotel war sehr sauber, das Personal extrem freundlich und hilfsbereit, die Zimmer mit Klimaanlage (wirklich positiv bei den aktuellen Temperaturen in der Ukraine), sehr gute Matratze - ich denke, für 16,50 Euro kann man einfach nicht mehr erwarten.


- Jetzt in Lubny (noch weiter im Osten) zahle ich den gleichen Preis. Allerdings - das Hotel ist neuer, der Komfort besser als in Zhytomyr. Und je weiter man in den Osten kommt, umso günstiger wird es.

Wetterspielchen

Der Wettergott meint es übrigens heute extrem gut mit mir. Dreimal komme ich in Situationen, dass ich ein paar Regentropfen mitbekomme - und dreimal sind es abziehende schwarze Wolken, die ich glücklicherweise knapp verpasse. Die dreimal, die ich Regentropfe einfange, reichen nicht mal, um durch die leichte Endurojacke auf die Haut vorzudringen.


Zusätzlich komme ich dreimal über Abschnitte der M 06 bzw. später der M03, auf denen es vor kurzem geregnet haben muss, da die Strassen noch nass sind.

Kiew - ein Alptraum

Um 10.45 Uhr fahre ich auf der M 06 in den Großraum Kiew ein. Ein Abschnitt, vor dem es mir graut, da ich den Verkehr in Kiew aus eigener Erfahrung kenne. Vor dem Ballungsraum wird er auf der M06 dann auch deutlich dichter.


Ich hatte mich im Vorfeld dafür entschieden nicht quer durch die Stadt zu fahren. Das wäre zwar kürzer aber nicht unbedingt schneller gewesen. Und den zu erwartenden Stop-and-Go Verkehr in der Stadt brauche ich mit dem Gespann in der Hitze auf keinen Fall.


Also biege ich kurz vor dem eigentlichen Zentrum nach Süden auf eine Umgehung ab. Die führt zwar auch durch das Stadtgebiet, ist aber teilweise achtspurig (vier in jede Richtung) ausgebaut. Hier kann ich mit 60km/h das Stadtzentrum umfahren. Als ich den Bogen komplett habe und wieder Richtung Osten abbiege, befinde ich mich auf der M03/E40, die Kiew mit dem Krisengebiet im Donbass verbindet. Diese Strasse kenne ich, ich bin sie schon zweimal selber mit unseren gepanzerten Dienstfahrzeugen gefahren.

Erster Kontakt mit der Polizei

Unmittelbar nach dem Verlassen des Stadtgebiets werde ich auf der M03 von einer Polizeistreife angehalten. Es wird aber keine echte Kontrolle, die beiden Polizisten waren eher an meinem Gespann als an meinen Papieren interessiert.


Kleine Anmerkung: Nachdem ja schon vor einigen Tagen die Leerlaufkontrolle den Geist aufgegeben hat, ist es heute morgen die Fernlichtkontrolle, die nicht mehr mitspielen möchte. Und nach der ziemlich rumpeligen Umgehung von Kiew hat die KED Leuchte für die Blinker auch den Geist aufgegeben.


Um 12.00 Uhr habe ich dann auch die Stadt Boryspil passiert und bin damit wieder aus dem Großraum Kiew raus.

Felder soweit das Auge reicht

Ab hier wird die Gegend zur Kornkammer der Ukraine. Getreide, Mais und Sonnenblumen auf Feldern, soweit das Auge reicht. Interessanterweise haben fast alle großen europäischen Chemiekonzerne, u.a. der deutsche Bayer Konzern, hier Landbesitz und Forschungslabore, in denen sie weit hemmungsloser forschen können, als in der EU. Egal ob Gentechnik, Dünger, Pestizide - hier wird alles in Feldversuchen erforscht.

Ordentlich markierte Versuchsanbauflächen

Für dieses Foto habe ich einfach mal ziemlich hemmungslos auf der zweispurigen M03 angehalten und mich auf die rechte Spur gestellt. Die wenigen Autos sind auch brav ausgewichen und haben mich machen lassen (nein - tatsächlich habe ich schon drauf geachtet, dass zum Zietpunkt des Fotografierens keine Autos kamen).

Ankunft im Hotel - Lederbier

Kurz nach 15.00 Uhr bin ich dann an meinem heutigen Tagesziel angekommen. Das Hotel ist klasse, das Restaurant im Haus auch. Das habe ich hier so echt nicht erwartet.

Hotel mit angeschlossenem Restaurant in Lubny

Heute schmeckt mir auch das Lederbier wieder. Vorgestern bei der Ankunft in Zhytomyr war das nicht der Fall und ich habe drauf verzichtet - Schande. Einziger Fehler - ich habe Tuborg bestellt und kein einheimisches Bier, lag wahrscheinlich an den teilweise vorhandenen Verständigungsschwierigkeiten.

Lederbier - wohl verdient bei der Hitze

Notiz an mich selbst:


"Pass auf, Du Trottel - Du solltest es inzwischen gelernt haben. Es ist äußerst unclever, den Helm während der Pause auf dem Gespann in der Sonne liegen zu lassen!"


"Und wenn wir schon dabei sind: "Du Vollhorst - das gilt auch für die Jacke!"

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