Roadtrip Adenau (D) nach Kharkiv (UA) - Tag 4

10. Juli 2018 - Von Rzeszow (PL) bis Rivne (UA)

Kilometerstand 3510

Das wichtigste zuerst - die Statistik. Das Tachobild von heute morgen zeigt 3510km, das heisst, ich bin gestern 420km gefahren. Das heisst aber auch, dass ich heute die ersten Tausend Kilometer vollgemacht habe und dass ich mit insgeamt 1299km die Hälfte der Strecke geschafft habe.

Tag der Störche

Abfahrt vom Hotel um 8.25 Uhr.


Heute war der Tag der Störche. So viele Störche wie heute habe ich an einem Tag noch nie gesehen, trotz meiner Mausrentour im Jahr 2008. Insgesamt waren es mindestens 15 - 20, teilweise in ihren Nestern, teilweise auf Feldern, teilweise fliegend. Einen fliegenden Storch habe ich selbst in Masuren nicht gesehen und heute waren es mindestens fünf.

Holpriger Start

Aber der Reihe nach. Der Tag fing besch...eiden an. Die von mir geplante Strecke zur Autobahn war gesperrt, eine Umleitung gab es nicht (zumindest habe ich keine erkannt). Ich bin dann eine geschlagene halbe Stunde rumgeeiert auf der Suche nach einer Autobahnauffahrt in Richtung Osten bis ich die Faxen dicke hatte und Richtung Westen zur Auffahrt gefahren bin, an der ich die Autobahn gestern verlassen hatte. Vorteil der Aktion: In einem kleinen Dorf kam ich an einem Storchennest vorbei, in dem zwei Jungvögel auf die Eltern mit dem Futter warteten.

Jungstörche warten auf die Eltern mit dem Futter

Aus Solidarität habe ich 10 MInuten mitgewartet, da ich gern ein Foto von Elternstorch mit Jungstörchen gemacht hätte, habe dann aber die Geduld verloren und mich mit den Jungstörchen begnügt.


Die nächsten 95km zur polnisch-ukrainischen Grenze auf der Autobahn verliefen recht ereingnislos. Ausser, dass ich auf einem frisch gemähten Feld neben der Autobahn fünf Störche auf einmal gesehen habe. Ich habe mich nicht getraut, für Fotos auf der Autobahn anzuhalten, sonst hätte ich das wirklich gerne fotografiert.

"Sie verlassen die Europäische Union"

Dann die Grenze - davor ein großes Schild "Sie verlassen nun die Europäische Union" (nein, natürlich nicht). Ankunft an der Grenze auf polnischer Seite um 10.20 Uhr, Verlassen der ukrainischen Grenzstation und Einreise in die Ukraine um 10:45 Uhr.


OK - das ist nicht der Regelfall. Vor der polnischen Grenzstation standen die Fahrzeuge in einer etwa 500m langen Schlange. Aber da ich einen Diplomatenpass habe und mir in der Ukraine die Privilegien und Immunitäten eines Diplomaten gewährt werden, konnte ich die CD/CC Spur nehmen und wurde auf beiden Seiten priorisiert abgefertigt. Normalerweise hätte das mit Sicherheit deutlich länger gedauert.


Diese zugegebenermaßen bescheidene Handyfoto habe ich nach der Einreise in die Ukraine gemacht.


Kilometerstand 3628 bei der Einreise in die Ukraine

1417 km von der Abfahrt aus der Eifel am Samstag bis zur Einreise in Ukraine.

Abschied ohne Bedauern von den langweiligen EU Autobahnen

Mit der Einreise in die Ukraine ist es vorbei mit der eintönigen Autobahnfahrerei. Ab jetzt heisst es, immer der E40 (nach der Grenze die ukrainische M 06) Richtung Osten folgen. Und das sieht dann ungefähr so aus:

Die Europastrasse E40 kurz nach der Einreise in die Ukraine

Erlaubte Geschwindigkeit ist 90 km/h auf diesen Strassen. Im Grunde geht es zügig voran, es sei denn, man hat gerade irgendein landwirtschaftaftliches Gefährt aus dem Museum "Ackerbau in der Steinzeit" vor der Nase (alte sowjetrussische Mähdrescher fahren auch beim besten Willen nicht schneller als 30km/h - auch nicht bergab oder mit Rückenwind) oder aber einen alten Kamaz oder Ural LKW, die es immerhin auf 60km/h bringen - zumindest bergab oder mit Rückenwind. Moderne LKW sind dagegen kein echtes Hindernis, da sie mit 90 - 100km/h unterwegs sind und auf der schlechten Strasse machmal eine echte Herausforderung für mich darstellen, wenn ich sie überholen will.


OK - einige Strecken sind auch zweispurig ausgebaut, das sieht dann so aus:

Autobahnähnlicher Abschnitt der E40

Das ist aber eher die Ausnahme. Allerdings - je näher man Kiew kommt (immer noch gut 400km entfernt), umso länger werden die zweispurigen Abschnitte.

Spontaner Besuch der Bärenzuflucht Domazhyr

Kurz vor meinem ersten Tankstop in der Ukraine und kurz vor Lviv (Lemberg) sehe ich ein interessantes Schild am Strassenrand. Es ist ein Wegweiser zur Bärenzuflucht Domazhyr, die von der renommierten österreichischen Tierschutzorganisation Vier Pfoten in der Ukraine betrieben wird. Da Vier Pfoten im späteren Verlauf meiner Reise noch eine Rolle spielen wird und ich natürlich von der Bärenzuflucht gehört habe, entscheide ich mich spontan, einen Abstecher dorthin zu machen.


In der Bärenzuflucht finden ehemalige "Restaurantbären" (das sind Bären, die zur Belustigung von Restaurantbesuchern in kleinen, absolut nicht artgerechten Käfigen gehalten werden) und Beutebären (das sind Bären, die man ankettet und dann Jadghunde auf sie hetzt. Eigentlich seit 2015 in der Ukraine verboten, aber immer noch gängige Praxis - nicht nur mit Bären, auch mit anderen lebenden Tieren) ein artgerechtes Zuhause. Ich sehe zwar keine Bären, da bei meiner Ankunft keine Führung stattfindet, kann mich aber an einem kalten Kwas (ein aus Brot und Wasser gewonnenes Erfrischungsgetränk) erfreuen. Natürlich lasse ich auch eine Spende dort, obwohl wir bei Vier Pfoten bereits eine monatliche Patenschaft haben.

Erinnerungsfoto an die Bärenzuflucht Domazhyr
Die Vorteile einer Handykamera

Während meiner Tour mache ich relativ viele Handyfotos und ich stelle fest, dass diese Handykameras bestens geeignet sind, um dokumentarische Fotos zu machen. Das Teil hat man schließlich immer dabei. Mein nächstes Smartphone werde ich defintiv danach aussuchen, welches die beste Kamera hat. Telefonieren und SMS verschicken kann man eh mit allen.


Vor Lviv (Lemberg) wird der Verkehr extrem dicht. Ich muss die Stadt auf der E40/M06 weiträumig umfahren und meine Durchschnittsgeschwindigkeit geht drastisch in der Keller. LKW über LKW, keine Möglichkeit zum Überholen. Ampeln - offenbar hat sich alles gegen mich verschworen. Und als ich den Bereich Lviv endlich verlassen habe, gibt es einen Stau. In einem kleinen Dorf wird eine Seite der Fahrbahn erneuert und der Verkehr wird einspurig. Ich stehe fast eine Stunde, bis ich endlich durch die Baustelle durch bin. Es ist inzwischen 15.00 Uhr (eine Stunde später als in Deutschland) und ich stelle mit Erschrecken fest, dass ich noch fast 200km vor der Brust habe.


Hier ein Foto aus dem Stau (Handyfoto).

Ich hasse Stau - die sind in der Ukraine genauso eklig wie in Deutschland

Trotz allem lasse ich mir meine Reiselaune nicht verderben. Na und? Dann komme ich heute halt etwas später an (was sich nur als halbwahr herausstellt - um 18.30 Uhr bin ich im Hotel).

Tips zum Tanken in der Ukraine

Gegen 17.00 Uhr lege ich eine Kaffepause an einer Tankstelle ein. Zum Glück kenne ich die unterschiedlichen Tankstellenketten in der Ukraine und weiss, wo ich Pause machen kann. Ich sehe eine OKKO Tankstelle und weiss, dass ich hier gut aufgehoben bin. Zigaretten, Kaffee, Wasser, einen vollen Tank (und möglichst eine Kreditkarte ohneLimit) - was braucht man mehr zum Glücklichsein?

Eine der ungezählten ZIgaretten-, Kaffee- und Wasserpausen

Gegen 18.30 Ur treffe ich im Hotel ein und bin sehr postiv überrascht. Tolles Zimmer, tolle Lage (direkt im Stadtzentrum von Rivne), Klimaanlage, super Essen und kleine Preise (umgerechnet kostet das Zimmer mit Frühstück 35 Euro). Und abends wird das Hotel von außen auch noch beleuchtet, mal schauen, ob ich da gleich noch Fotos machen kann (nein - konnte ich nicht, bzw. es hat sich nicht gelohnt, sah doch nicht so toll aus).


Für heute bin ich also fast fertig.


Notiz an mich selbst: "Brille vom Helm reinigen, sonst fährst Du morgen blind".

Irgendwie scheint es in der Ukraine mehr Insekten zu geben als in Deutschland

0 Ansichten

© 2018/2019 Franklin Tummescheit. Erstellt mit Wix.com