Roadtrip Adenau (D) nach Kharkiv (UA) - Tag 3

9. Juli 2018 - Von Breslau (PL) nach Rzeszow (PL)

Kilometerstand 3090

Erstmal für die Statistik das Foto vom Kilometerstand nach der gestrigen Landstraßentour mit MichaelZH: 3090 - damit sind wir gestern laut meinem Tacho 481km gefahren.

Abschied von Michael

Heute morgen um 8.30 Uhr habe ich Michael verabschiedet. Er wird in einer Zweitagestour Richtung Westen und dann Richtung Süden über die tschechische Stadt Karlsbad in die Schweiz zurückkehren, während mich mein Weg schnurgerade weiter Richtung Osten führt.


Da ich Trottel die Grüne Versicherungskarte zuhause vergessen habe, habe ich erst mal meine Versicherungsmaklerin angerufen und gebeten, dass sie mir per Email einen Scan der Karte zuschickt. Das sollte bei der Einreise in die Ukraine eigentlich reichen. Leider scheint das aber mehr Probleme zu machen, als ich angenommen habe, jedenfalls hat mich keine Email erreicht. Naja, dann rufe ich halt morgen früh noch einmal an. Wenn alle Stricke reissen, kaufe ich halt bei der Einreise in die Ukraine eine ukrainische Versicherung. Die brauche ich sowieso, da das Gepann innerhalb von drei Monaten in der Ukraine angemeldet werden muss - standesgemäß bekomme ich dann ein Diplomatenkennzeichen, wie ich es von 2009 bis 2013 bei meinen Fahrzeugen in Georgien auch schon hatte.

Immer Richtung Osten

Um 9 Uhr bin ich dann auch auf dem Weg. Die Sonne knallt schon vom Himmel und es ist drückend heiss. Zum Glück kühlt mich der Fahrtwind und ich bin froh, dass ich mich in letzter Sekunde für die alte Pharao Endurojacke entschieden habe. Die schwere Lederjacke schlummert irgendwo in den Tiefen des Seitenwagens.


Vor der Auffahrt auf die Autobahn noch eben volltanken und dann geht es richtig los. Nein, dann ginge es los, wenn nicht an der Autobahnauffahrt so ein verdammter Ticketautomat mit Schranke stehen würde. Das Ticket brauche ich, um die fälligen Mautgebühren zahlen zu können. Also anhalten, Handschuhe aus, Knöpfchen für das Ticket drücken, das Ticket in Empfang nehmen und langsam losrollen, um die offene Schranke zu passieren und die Fahrzeuge hinter mir nicht aufzuhalten. Während des Rollens das Ticket in die Innentasche stopfen und dann im Dreiviertelkreis ab auf die Autobahn. Dort finde ich zum Glück ein geeignetes Plätzchen, um anzuhalten und das Ticket ordentlich verstauen zu können. Danach Handschuhe an und ab geht er, der Peter.

Einmal quer durch Polen für 4,00 Euro

Die polnischen Autobahnen sind mindestens so gut wie die deutschen. Wenn nur die verdammten Mautstationen nicht wären. Ich muss im Laufe des Tages noch dreimal anhalten, um Maut zu bezahlen. Das geht zum Glück recht zügig und beim letzten Mal nutze ich die Gelegenheit, um beim Zurollen auf die Mautstation eine ZIgarette zu rauchen. Insgesamt zahle mit dem Gespann, das als Motorrad gilt, 17,60 Zloty - das sind knapp 4 Euro.


Ich cruise gemütlich mit 100km/h vor mich hin, ab und zu geht es auf die linke Spur zum Überholen, dann werden es auch schon mal 120km/h. Es ist recht wenig Verkehr und ich komme gut voran - nicht wirklich schnell aber gleichmäßig.


Bei meinem ersten Stop mache ich mit dem Handy zwei Selfies. Normalerweise bin ich kein Freund von Selfies, aber hier konnte ich nicht widerstehen. Die Selfies zeigen mich einmal geschminkt und einmal ungeschminkt:

Ich - geschminkt

Auch ich - ungeschminkt
Regen oder kein Regen?

Als ich die Mautstation bei Gliwice (Gleiwitz) passiere, zeigt sich der Himmel vor mir in einem satten Grauton. Wolken sind aufgezogen und es sieht nach Regen aus. Kurz danach in Katowice (Kattowitz) bin ich unter den grauen Wolken. Es fallen aber nur ein paar Regentropfen, die mir noch nicht einmal die Jacke nass machen. Hinter Katowice ist der Himmel wieder in einem schönsten blau mit einigen weissen Wolken.


Dieses Glück sollte mir aber nicht hold bleiben.

Regen!

Kurz hinter Krakow (Krakau) fahre ich wieder auf dunkle Wolken zu und diesmal schüttet es plötzlich wie aus Eimern. Ein Brücke über die Autobahn kommt wie gerufen. Ich kann dort anhalten, ohne wirklich nass geworden zu sein. Das Foto gibt einen kleinen Eindruck, was da an Wasser vom Himmel fiel, während ich unter der Brücke gewartet habe.

Es geht doch nichts über eine gemütliche Autobahnbrücke

Ich schaffe es gerade mal ein paar Fotos zu machen, dann ist die Regenwolke vorbeigezogen und nach knapp 10 Minuten unter der Brücke geht es weiter. Was sich im Nachhinein als schwerer Fehler herausstellt, da die Regenwolke und ich wohl die gleiche Bewegungsrichtung haben - jedenfalls befinde ich mich nach fünf Minuten Fahrt wieder im dicksten Regen.

Wieder anhalten oder einfach weiterfahren?

Schwerwiegende Frage: Wieder unter eine Brücke oder einfach weiterfahren und nass werden? Ich kann in relativ kurzer Entfernung helle Wolken und sogar ein bißchen blauen Himmel sehen. Da ich das Spielchen mit der Regenwolke nicht ewig weiterspielen will, entscheide ich mich für's Weiterfahren und bin innerhalb einer Minute im Bereich der Endurojacke - da wo sie nicht von der Lederweste geschützt wird, die ich darüber trage - patschnass. Die Beine sind durch die Lederhose geschützt, die Daytona Tourenstiefel lassen eh kein Wasser von aussen rein.


Nach gut fünf Minuten bin ich unter der Wolke durch, der Regen lässt erst nach und hört dann ganz auf. Erleichtert stelle ich fest, dass es warmer Regen war. Arme und Brustbereich sind zwar nass bis auf die Haut, ich friere aber nicht. Im Gegenteil, das Wasser kühlt sehr angenehm. Allerdings nur für etwa 20 Minuten, danach ist alles wieder trocken und das Wetter bleibt trotz Regenneigung und Wolken heiss und drückend. Neben der Kühlung hatte der Regen einen weiteren Vorteil - die Brille meines Helms ist wieder frei von Insekten.


Etwa 30km vor meinem heutigen Tagesziel halte ich noch einmal an, weil sich genau in meiner Richtung schon wieder ein Regengebiet zusammenbraut. Nach einigen Fotos und der Beurteilung der Lage entscheide ich mich todesmutig für's Weiterfahren - und ich werde belohnt. Bis zur Ankunft am Ziel bleibe ich trotz dunkelster Wolken von weiterem Regen verschont.

Kurz vor dem Tagesziel - fette Regenwolken voraus

Am Ziel, einem kleinen Hotel in der Nähe von Rzeszow, gönne ich mir nach dem Einchecken und vor dem Ausladen und Umziehen erst mal ein Lederbier. Das erste Bier ist halt immer das Beste.

Prost

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