Kupplung beim Buchanka? Völlig überbewertet!

Aktualisiert: März 9

8. März 2020 - Mein erster Überlandausflug mit Sid beschert mir tolle Fotos, mein erstes 4x4 Fahrerlebnis - und eine defekte Kupplung. Na und - dann fahre ich eben die 65km zurück nach Kharkiv ohne Kupplung. Ist doch kein Problem für Sid (und mich).

Sid in der Kitsivka Wüste im Pechenihy District

Nachdem endlich alle mechanischen Schwachstellen am Buchanka ausgebügelt sind - zumindest dachte ich das - ist es Zeit für längere Testfahrten, um weitere Schwachstellen zu identifizieren und zu beheben. Für heute habe ich mir eine Fahrt in die Kitsivka Wüste im Pechenihy District vorgenommen. Ein wüstenähnliches Gelände, das mit seinem hellen Sandboden sogar in der Satellitenansicht von Google Maps auffällt. Hier will ich zum ersten Mal den 4x4 Antrieb testen und die Vorderachse zuschalten.

Knapp 70km von meiner Wohnung in Kharkiv - die Kitsivka Wüste

Ich war letztes Jahr schon einmal während einer Dienstreise in dieser Wüste und habe hier einige wirklich schöne Tiere gesehen. Smaragdeidechsen und Rote Libellen konnte ich dabei sogar fotografieren.

Zwei Smaragdeidechsen (Foto von 2019)

Rote Libelle (Foto von 2019)

Hinter dem Dorf Kitsivka, das der Wüste ihren Namen gibt, fahre ich von der Hauptstrasse auf einen Feldweg, um zur Wüste zu kommen. Ich halte an, um den Vierradantrieb zu aktivieren. Im Gegensatz zu modernen 4x4 Fahrzeugen ist bei meinem alten Buchanka nicht damit getan, ein Knöpfchen zu drücken oder einen Wählschalter zu betätigen - hier ist noch richtige mechanische Arbeit angesagt.

"Sie verlassen die befestigte Strasse"
Freilaufnaben und Verteilergetriebe

Sid hat noch die uralten originalen Freilaufnaben an den Vorderrädern. Hier muss ich nun an beiden Vorderrädern die Schutzkappen entfernen, mittels Vierkantschlüssel aus dem Bordwerkzeug die Steckachsen mit dem Verteilergetriebe verbinden und anschliessend am Verteilergetriebe den Vorderradantrieb zuschalten.

Die mit einer aufgeschraubten Schutzkappe abgedeckte Schraubverbindung an der Freilaufnabe

Mit einem Vierkant wird die Steckachse mit dem Verteilergetriebe verbunden. Hier ist die Steckachse schon eingeschraubt.

Vor der Weiterfahrt sollte man nicht vergessen, die Schutzkappe wieder aufzuschrauben, da sich Dreck und Sand nicht wirklich gut in der gefetteten Schraubverbindung machen. Auf dem letzten Foto sieht man die abgeschraubte Schutzkappe am Boden.


Nachdem nun die Steckachsen und damit die Räder mit dem Verteilergetriebe verbunden sind und der Vorderradantrieb zugeschaltet wurde, geht es mit Allradantrieb weiter.

Der Vorderradantrieb ist zugeschaltet. Der kleinere (obere) Hebel wurde in Richtung Armaturenbrett geschaltet.

Vom Fahrverhalten merke ich keinen großen Unterschied, aber ich habe das Gefühl, dass Sid etwas langsamer unterwegs ist. Auf wirklich herausfordernde Strecken verzichte ich erst mal. Das muss beim ersten Mal nicht sein.

Sandkasten für Offraod Fans

Die Kitsivka Wüste ist ein großer Sandkasten für Offraod Fans und ich bin auf dem Gelände nicht alleine. Mir begegnen mehrere Fahrzeuge und in einiger Entfernung sehe und höre ich Fahrzeuge, die durch den weichen Sand toben.


Da ich unter anderem auch Fotos hier in der Wüste machen will, fahre ich verschiedene schöne Spots an, und baue mein Equipment auf. Die anderen Besucher kann ich zwar manchmal hören, allerdings ist das Gebiet so weitläufig, dass man sich gut aus dem Weg gehen kann.

Die Zufahrt zur Kitsivka Wüste - vom Wald in die Wüste

Das Fahren auf dem lockeren Sand der ausgefahrenen Wege macht Spaß. Sid reagiert absolut gutmütig und obwohl er Winterreifen und keine Offraodreifen aufgezogen hat, bereitet ihm der Sand auch abseits der Wege keine Probleme. Der Vierradantrieb arbeitet unauffällig und störungsfrei. Klasse.

Dramatischer Himmel über der Kitsivka Wüste

Auf dem Weg zu einem schönen Sandspot zwischen Bäumen dann der Schreck. Beim Treten des Kupplungspedals tut es einen Schlag und die Kupplung ist ohne Funktion. Ich halte an und schaue mir das genauer an. Schnell stelle ich fest, dass die Verbindungsgabel des Kupplungsgestänges am Ausrückhebel der Kupplung gebrochen ist. Und ich stelle fest, dass ich meinen Werkzeugkasten nicht dabei - der steht warm und trocken in der Garage.

Wer braucht schon die Kupplung?

Da ich keine andere Möglichkeit habe - außer einen Abschleppwagen in die Wildnis zu bestellen, worauf ich keinen Bock habe - kehre ich mit Sid nach Kharkiv zurück - ohne Kupplung. Und es klappt sogar deutlich besser, als ich anfangs befürchtet habe. Nach einigen Versuchen kracht und kreischt das Getriebe auch nicht mehr, wenn ich die Gänge wechsel. Nur stehen bleiben ist doof - ich schalte dann jedesmal den Motor ab und komme wieder in Fahrt, indem ich mit eingelegtem 1. Gang starte. Zum Glück liefert meine Batterie genug Strom, um mich so sogar im Statdtverkehr der Millionenstadt Kharkiv unauffällig fortbewegen zu können.

Zurück in die Werkstatt

Am Dienstag - Montag ist hier in der Ukraine ein Feiertag, der Internationale Frauentag - werde ich Sid zurück in die Werkstatt bringen. Neben dem Kupplungsgestänge habe ich noch einen Umbauwunsch, der sich im Zusammenhang mit der Kupplung anbietet - ich möchte den Bremskraftverstärker der späteren Buchanka Modelle eingebaut haben. Er liegt schon seit Monaten im Fahrzeug und wartet auf seinen Einbau.


Und der Vergaser muss dringend noch mal überprüft und eingestellt werden. Ein Verbrauch von mehr als 40 Liter Benzin / 100km ist selbst für einen Buchanka ein bißchen zu hoch.



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